Lotto-Gewinn: Erbrechtliches Problem in der Lebensgemeinschaft

Bei einem Lotto-Gewinn kann es im Erbfall Probleme geben. Dies veranschaulicht das folgende Beispiel: A und B lebten seit Jahren in Lebensgemeinschaft. Beide hatten jeweils ein Kind aus einer anderen Beziehung. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren geordnet, aber bescheiden. Da stellte sich eines Tages bei der A ein Vermögenszuwachs (hier: Lotto-Gewinn; es kann aber auch an eine Erbschaft oder Schenkung gedacht werden) in beträchtlicher Höhe ein. Eine Vereinbarung zwischen A und B in Form einer sogenannten „Spielgemeinschaft“ existierte – wie sicher in den meisten Fällen – nicht. Auf Grund der Freude über den unerwarteten Geldsegen überwies A an ihren Lebenspartner B die Hälfte des Lotto-Gewinnes auf dessen Konto, ohne auch nur im Ansatz mögliche Probleme, die sich daraus ergeben könnten, zu bedenken. Die Lebenspartner lebten weiter wie bisher und tätigten ihre anfallenden Ausgaben des täglichen Lebens und auch für Anschaffungen in der Regel zur Hälfte von den bestehenden und nunmehr gut gefüllten Konten. So wurde auch ein gemeinsames Familienheim angeschafft und die Lebenspartner zu je 1/2 im Grundbuch eingetragen. Unerwartet verstarb der B, ohne eine letztwillige Verfügung zu hinterlassen. Es dauerte nicht lange, bis sich dessen Abkömmling mittels eines Erbscheins als Alleinerbe legitimierte und die Herausgabe des hälftigen Grundstücks an ihn verlangte. Die bestehenden Konten und Depots hatte der gesetzliche Erbe bereits auf sich umschreiben lassen.

Die insgesamt missliche Situation wäre vermeidbar gewesen, wenn der B zu Gunsten seiner Lebensgefährtin eine letztwillige Verfügung mit der Maßgabe errichtet hätte, dass sie Alleinerbin nach ihm wird. In diesem Fall hätte sein Abkömmling zwar einen sogenannten Pflichtteilsanspruch, der jedoch lediglich die Hälfte des gesetzlichen Erbteils betragen hätte. Auch bezüglich des Pflichtteilsanspruches wäre – bei richtiger Gestaltung nach dem alleinigen Lotto-Gewinn der A – ein anderes Ergebnis möglich gewesen. Auf steuerliche Probleme, die durch die Schenkung eines namenhaften Geldbetrages an einen Lebensgefährten entstehen, soll an dieser Stelle nur am Rande hingewiesen werden.

Im Ergebnis zeigt der Sachverhalt die Notwendigkeit der Nachfolgeplanung gerade bei nicht verheirateten Lebenspartnern durch die Errichtung einer letztwilligen Verfügung (Testament).